Namenloser

Namenloser

Mitternacht und Mondesrund und Morgenrot
sind geborgen in der unsichtbaren Hand
Jenes, der die Liebe lebt, uns anverwandt,
Jenes, der das Leben liebt – und unsern Tod,
eh’ wir jeder noch geboren, schon gebannt.
Morgendunst und Mittagsglut und Abendrand.

Wir kennen nicht die Hand, die uns im Mutterleib
gestaltet und begabt hat, kennen nicht den Geist,
der uns gesegnet und gesendet und gespeist.
Wie oft wohl ruft er: Bist du da? Bist du bereit?
Beim Namen ruft er uns, der Namenloser heißt,
um den das Heer der Himmel unablässig kreist.

Christina Egan ©2023  

Spiral galaxy, dense around luminous core.

The Nameless One is a philosophical poem about the Heavens behind the heavens and the power behind it all. The legions of the skies could therfore be the stars or the angels.

Some of the pulsating and orbiting of the universe might be captured in these lines and rhymes… which is why it is best to read poetry in the original language and to read it out loud or listen to it!

By contrast, Presence needs to be seen on paper or on a screen to unfold its effect: the image of drops is visualised in the shape of the stanzas. This, too, works best in the original language.

Photograph: The spiral galaxy NGC 4414. The Hubble Heritage Team (AURA/STScI/NASA)NASA Headquarters – Greatest Images of NASA (NASA-HQ-GRIN), Public domain, via Wikimedia Commons.

ginsterblüte

Sprig of broom in blossom.
Photograph by Christian Fischer,
CC BY-SA 3.0, via Wikimedia.

Mandelmond

Mandelmond

Im kühlen Blaßblau wölbt sich
ein großer halber Mond:
Was ausblieb, das erfüllt sich.
Es hat sich doch gelohnt,

zu warten bis zum Abend
aufs goldne Wolkenschiff,
nach jenem Stern zu fragen,
den dir das Schicksal schliff.

Du streiftest über Fluchten,
nach Gipfeln griffst du aus
und stiegst durch Wald und Schluchten,
als reistest du nach Haus.

Der Stern taucht aus der Leere.
Es hat sich doch gelohnt
für jene Wolkenfähre
und jenen Mandelmond.

Christina Egan ©2021

unter der weide

unter der weide

I.

als das rundzelt
der weide
sich sachte
bauschte

als der pilgerzug
der pappeln
silbern
rauschte

als das erdreich
im abendrot
lag und
lauschte

als die stille
sprach
brach
mein herz

brach auf
wie eine kokosnuß
voll süßer milch
und weißem mark

II.

wer kostet
meine worte
wer liest
meine blicke

wer wartet
auf mich
unter der weide
im windhauch

wer wartet
mit mir
auf den neuen mond
auf den ersten stern

als wäre das morgen
noch möglich
als wäre das leben
noch herrlich

mein blick fing
die sternschnuppe
wer liest uns
ihre botschaft

III.

heu bedeckt
die krume
schweiß bedeckt
die haut

blumen
leuchten
nicht himmelblau
blauer als himmel

blumen
brennen
nicht feuerrot
röter als feuer

die trauerweide birgt
ein stummes gebet
meine arme wiegen
einen neuen traum

auf der stirne
trage ich
einen kuß
wie ein juwel

Christina Egan ©2021

Past Poppies / Zimtsterne

Kreuzung / Vollmondtraum

***


One poem has a person with dark hair and a person with fair hair falling in love at first sight. In German, the words for ‘junction’ and ‘to cross’ come from the same root: ‘Kreuzung’ and ‘kreuzen’.

The other poem describes a beautiful beloved man (or, by changing one word, a woman) with greying hair. The stars write the lover’s delight onto the sky, and the beloved one’s soul shines like a star.

Radiance (You did not see the star)

Grün und gülden / Green and Golden

Ancient metal disk, deep green, showing golden celestial bodies.

Grün und gülden

Auf der weiten Erdenscheibe
kauert meine kleine Bleibe
still in pfauenblauer Nacht;
und aus ungeheurer Ferne
steigen unzählbare Sterne
wie von Zauberhand entfacht.


Auf den unsichtbaren Gleisen
durch den Weltraum aber kreisen
zwei Gestirne um mein Dach:
Glück muß mir das güldne schreiben,
doch das grüne bringt mir Leiden,–
zwei verflochten tausendfach.


Christina Egan ©2017

Moon with many craters, brownish and brightly lit.

zugefallen


Playing with the words
“Zufall” (conincidence)
and “zugefallen” (destined).
Is love written in the stars?

See my poem Zugewogen
about longing for love,
happiness, and destiny,
or rather, providence.

A New Poem is Being Born