A New Poem is Being Born

Hinter dem Olivenbaum

Hinter dem Olivenbaum

Noch hemmen Frost und Nebel allzulang
den bunten Garten,
und fast verstummt der volle Vogelsang,–
noch muß ich warten.

White rose, pink buds, hawthorns, all covered by melting snow.

Im Süden werd’ ich keinen Schnee mehr sehn,
bloß weiße Rosen,
die meine Lippen, wenn sie mannshoch stehn,
verstohlen kosen.

Einst wird mir hinter dem Olivenbaum
Oleander prangen,
und Blumenfluten streifen wie ein Saum
die warmen Wangen…

Christina Egan © 2017


The woman or man surrounded by frost, fog, and snow dreams of a future where she or he will kiss white roses and be caressed by oleander… The encounter with the plants is envisaged like an assignation behind a tree, an olive-tree as a symbol of the Mediterranean region.

Photograph: Christina Egan ©2017.

Regenbogenbotschaft

Tall brilliant rainbow in black clouds over fields and village.

Regenbogenbotschaft

Innen leuchtet rot die Liebe,
dann orangerot die Kraft,
sonnengelb die Heiterkeit,
Hoffnung schimmert erdengrün,
meeresblau verströmt sich Friede,
Weisheit wölbt sich indigo,
Glaube krönt sie violett:
Regenbogen will uns blühn,
will uns eine Zukunft weisen
und die Ewigkeit verheißen!
Schon verhangen, schon vergangen,
doch die Seele bebt noch froh…

Christina Egan ©2020

Title page of calendar: white windmill against blue sky.

This poem, Rainbow Message, is spiritual but not bound to a certain religion. I hope it radiates serenity and confidence, as the rainbow does.

It is published in the calendar, Münsterschwarzacher Bildkalender 2024 (circulation 80.000) with the photo above. (Photograph: Albrecht Fietz via Pixabay.)

For verse from a colourless winter world, see the recent post, A Speck in the Dark, where a few flashes of colour and light provide the magic of beauty and hope.

Nachruf auf einen Gärtner

Photo of walnuts
Photograph: Gokhan Tek via Pixabay.
Title page of calendar: white windmill against blue sky.

Im Herzen von Köln (St. Andreas)

Im Herzen von Köln (St. Andreas)

Vorm Fenster herrscht
der alte Dom
und unterm Fuß
das alte Rom.

Minutentakt
Der Boden bebt,
die U-Bahn pulst,
die Erde lebt.

Die Straße dröhnt,
die Weltstadt wacht,
der Domplatz zittert
Tag und Nacht.

Der Baulärm grellt,
das Blaulicht greint,
die Flöte lockt,
die Geige weint.

Die Orgel jauchzt,
die Glocke braust,
die Stille ruft,
die Stille rauscht.

Am Kreuz hängt einer
ganz allein
und will das Herz
der Erde sein.

Die heilge Stadt
lebt noch aus ihm.
Sie weiß es kaum;
er gibt sich hin.

Minutentakt:
Der Tunnel braust,
der Erdschlund grollt,
die U-Bahn saust.

O Einsamkeiten –
Mein Herz brennt.
O eigne Sehnsucht –
Mein Herz rennt.

Doch Ruhe ist ja
nur in Ihm…
So knie ich nieder:
Nimm mich hin.

Christina Egan ©1992


Tall remnants of Roman city wall with Cologne Cathedral in the background
Photo: Christina Egan © 2014

The first poem of the year takes place in Roman streets again, in the midst of Cologne, in Sankt Andreas, the mighty mediaeval church right opposite the Cathedral. When you descend into the crypt, you are pretty close to antiquity. All around, Roman walls are displayed, or simply still standing.

For an English poem about Cologne with a similar content and in a similar style, see My City Calls (Grey Roofs Grey Walls). There, it is the city itself which provides comfort and hope, as religious faith does here. I noticed the striking parallel only yesterday on relaunching my poetry blog!

Der Nebel hebt sich

Der Nebel hebt sich

(Schloß Fasanerie bei Fulda)

Der Nebel hebt sich,
und der Rauhreif auf den Weiden,
feine Spitze, glitzert auf.

Aus dichten Fichtenschirmen sprühn
kapellenglockenhelle
Stimmen ohne Zahl.

Ein Vöglein folgt, dort oben, sieh,
mit dunklen Flügeln, gelber Brust,
ein Sonnenstrahl!

Ein niedrer Wolkenstreif muß weichen,
und der bleiche Mond, des Dunkels Geist,
desgleichen.

Der ausgelaugte Himmel blaut,
der federnd-feste Boden taut,
gurgelt und gärt…

Noch wehrt der Winter sich,–
bezwungen ist er schon.
Die Erde atmet wieder tiefer…

Und wer nur auf den Hügel steigt
und schaut und hört und spürt,
kriegt neue Kraft und Lust!

Christina Egan © 2017

A new poetic form: three lines in each stanza, with irregular lenght and irregular rhymes — but each stanza having ten stressed syllables, with one unstressed syllable in between, making the flow of the language regular, natural and musical at the same time!

The poem was written on February 14th. The Rhön mountains have a harsh climate with long winters characterised by cold and snow and fog. All the more is spring welcome, even the early signs of it…

Vision (In den Augen den Mittag)

Vision

Woman leaning on a sandstone wall, looking out on green fields and blue ocean, her blond hair lifted by the wind.In den Augen den Mittag,
den Mittelmeermittag –
In den Haaren die Nacht,
braunsamtene Nacht –

In den Augen die Sonne,
im Wellenspiel glitzernd –
In den Haaren den Wind,
wildseidenen Wind –

Christina Egan © 2014

A luminous winter day on a Mediterranean island… or rather, the beginning of a lush spring as early as February. – Photograph: Christina Egan © 2018.

Gegenwart (Wie Kalksteinhügel)

Gegenwart

Wie Kalksteinhügel liegen deine Wangen
und deine Haare wie ein Pinienwald.
Schon zittert meine Seele vor Verlangen
nach deiner bloß erratenen Gestalt.

Ein dunkler Doppelsee sind deine Augen,
noch beinah unberührt und unergründlich.
Ob sie auch meine Zukunft in sich bergen,
ist beinah ungedacht und unerfindlich.

Und wie das warme Meer rollt deine Stimme,
wenn sich orangerot der Tagstern neigt…
O schautest du nur auf und hieltest inne –
und würdest niemals bloß Vergangenheit!

Christina Egan © 2014

Dusk by the sea: glow of sunset amongst dark clouds and on waves lapping onto the shore.

Description of a new acquaintance in terms of a Mediterranean landscape.

The title plays on the double meaning of the German word “presence” / “present”: the speaker is mesmerised by the other person and already has a faint hope that he or she will become the future… and never slide back into the past.

Sunset on a Mediterranean shore in January. – Photograph: Christina Egan © 2016.

Snow, Slow / Schnee, langsam

Patio with some plants at far end covered in thick fresh snow.Snow, Slow
(Christmas Haiku)

Snow, slow, abundant,
covering the sleek black soil
like icing-sugar.

*

Flames of real candles
in the darkened room, like stars
visiting the earth.

*

Tinsel billowing
on the fir-twigs, as if stirred
by an angel’s wing.

***

Schnee, langsam
(Weihnachtshaiku)

Schnee, langsam, reichlich,
fällt auf blanke schwarze Erde…
wie Zuckerstaub.

*

Wachskerzenflammen
im Dämmer… wie Sterne,
herniedergestiegen.

*

Lametta flattert
an Zweigen… wie angerührt
von Engelsflügeln.

 Christina Egan © 2017

 

Real candles, even made of beeswax, are still common on Christmas trees in Germany, and lametta is used more sparingly and usually silver, reminiscent of snow.

Thick snow is nowadays a rare phenomenon in England… Note the tiny Christmas tree taken out after the festive days (and later planted into the soil!). – Photograph: Christina Egan © 2018.

Eben habe ich das Leben entdeckt

Eben habe ich das Leben entdeckt

Eben
habe ich das Leben entdeckt.
Es lag versteckt
unter einem unscheinbaren Stein
am Straßenrand.
Ich kniete nieder,
hob ihn hoch,
und etwas leuchtete,
alles leuchtete auf –
als hätte die Sonne hinübergeschaut
in ihrem enthobenen Lauf,
als wäre der Himmel erblaut
und ich stürmte den Hügel hinauf –
doch stand ich noch
unverwandt
mit dem Stein in der Hand…

Eben
habe ich das Leben entdeckt.
Es war verdeckt
vom Geschnatter und Geknatter
von vielzuvielen Bildschirmspielen,
von Telefonen und Megaphonen
und Megamaschinenmusik.
Nur einen Augenblick
lag der Stein in meiner Hand,
graublau
und genau
und still.
So hält Gott die ganze Welt
in seiner Hand,
ins stille goldne uferlose Licht,
und sie weiß es nicht.

Christina Egan © 2016

Caterpillar, very bright green, with crumpled leaf and edgy stone on sand.

Photograph:  Christina Egan © 2016.