The first poem of the year takes place in Roman streets again, in the midst of Cologne, in Sankt Andreas, the mighty mediaeval church right opposite the Cathedral. When you descend into the crypt, you are pretty close to antiquity. All around, Roman walls are displayed, or simply still standing.
For an English poem about Cologne with a similar content and in a similar style, see My City Calls (Grey Roofs Grey Walls). There, it is the city itself which provides comfort and hope, as religious faith does here. I noticed the striking parallel only yesterday on relaunching my poetry blog!
A new poetic form: three lines in each stanza, with irregular lenght and irregular rhymes — but each stanza having ten stressed syllables, with one unstressed syllable in between, making the flow of the language regular, natural and musical at the same time!
The poem was written on February 14th. The Rhön mountains have a harsh climate with long winters characterised by cold and snow and fog. All the more is spring welcome, even the early signs of it…
Wie Kalksteinhügel liegen deine Wangen und deine Haare wie ein Pinienwald. Schon zittert meine Seele vor Verlangen nach deiner bloß erratenen Gestalt.
Ein dunkler Doppelsee sind deine Augen, noch beinah unberührt und unergründlich. Ob sie auch meine Zukunft in sich bergen, ist beinah ungedacht und unerfindlich.
Und wie das warme Meer rollt deine Stimme, wenn sich orangerot der Tagstern neigt… O schautest du nur auf und hieltest inne – und würdest niemals bloß Vergangenheit!
Description of a new acquaintance in terms of a Mediterranean landscape.
The title plays on the double meaning of the German word “presence” / “present”: the speaker is mesmerised by the other person and already has a faint hope that he or she will become the future… and never slide back into the past.
Real candles, even made of beeswax, are still common on Christmas trees in Germany, and lametta is used more sparingly and usually silver, reminiscent of snow.
Eben
habe ich das Leben entdeckt.
Es lag versteckt
unter einem unscheinbaren Stein
am Straßenrand.
Ich kniete nieder,
hob ihn hoch,
und etwas leuchtete,
alles leuchtete auf –
als hätte die Sonne hinübergeschaut
in ihrem enthobenen Lauf,
als wäre der Himmel erblaut
und ich stürmte den Hügel hinauf –
doch stand ich noch
unverwandt
mit dem Stein in der Hand…
Eben
habe ich das Leben entdeckt.
Es war verdeckt
vom Geschnatter und Geknatter
von vielzuvielen Bildschirmspielen,
von Telefonen und Megaphonen
und Megamaschinenmusik.
Nur einen Augenblick
lag der Stein in meiner Hand,
graublau
und genau
und still.
So hält Gott die ganze Welt
in seiner Hand,
ins stille goldne uferlose Licht,
und sie weiß es nicht.
Die Kunst ist groß mit ihren Himmelstreppenbauten und größer die Musik mit unerhörten Lauten; gewebt aus weißen Daunen schwebt das Wort vorbei und bleibt, als ob’s ein Bild aus schwerer Bronze sei. Das Leben aber ist allein der Born des Lebens, und ohne Liebe sinnt und schafft der Mensch vergebens.
II.
Schmaler Strahlenpfad
Aufflackert hier und dort ein schmaler Strahlenpfad Gebet ist auch Geschehen; auch ein Gruß ist Tat. O wenn die Erdenaugen es nur schauen könnten wie sich Geschwister fraglos zueinanderwenden! Der Engel Botenflug ist schattenlos und schnell, doch auch der Menschen Bruderherz ein Gnadenquell.
III.
Sommerabendblau
Ein sommerabendblaues Wort ist uns geschenkt, ein sommermorgengoldnes gleich darangehängt, die unsre Wildnis oder Wüste fern umsäumen und mehr an Kraft enthalten, als wir uns erträumen: Vertrauen in Bedrängnis ist uns zugeteilt und Hoffnung auf den Himmel, der die Erde heilt.
Three philosophical poems in praise of:
life and love (which can surpass art);
greeting and prayer (which can surpass deeds);
trust and hope (which can surpass strength).
Written for a community of prayer affiliated to a Benedictine convent (Abtei Münsterschwarzach).
Gleich einem lichtgefleckten Fichtenpfad, bevor die ersten schweren Tropfen fallen, erstreckt sich der Septembernachmittag vor uns, als sei die Welt ein Wohlgefallen.
Wir dürfen auf die Wolkenschiffe steigen und mit dem Bussard über Wipfeln stehn! Obgleich die Strahlen sich ab morgen neigen, wird unsre Schale langsam sich erhöhn.
Die Dächerschar erglüht im ersten Dämmer, das Auge badet sich in buntem Glück… Wir können unser Dasein nicht verlängern, vertiefen aber jeden Augenblick.