glitzernder schnee
glitzernder schnee
knisternder schnee
nicht kaltweiß sondern
regenbogensprühend
über die dinge
hingebreitet
bis an die weißhäuptigen gipfel
am rande der welt
liegt die
stille
wenn du nur hinschaust
wenn du nur hinhörst
Christina Egan ©2016
Für Sr. Ancilla Wißling
German Poems
Weiße Seide
Weiße Seide
Jeder Psalm mit sichrer Stimme,
jedes wirre Stoßgebet
ist ein Ruf, der Erd’ und Himmel
unsichtbar zusammenfleht,
ist ein Stich von weißer Seide,
wie auch immer er gerät,
der entzweigerissne Kleider
unbemerkt zusammennäht.
Gottes Mäntel, Gottes Säume
sind die Himmel und die Welt,
die das Echo seiner Träume
Ton um Ton zusammenhält.
Christina Egan ©2020

This poem is published in next year’s calendar of photographs and texts,
Münsterschwarzacher Bildkalender 2025. –
Photograph: Beach of Wyk on Föhr, Germany. Christina Egan ©2014.
Von stählernen Waben (Wortbild)

Visual poem developed from the text Von stählernen Waben (see below). Christina Egan ©2024.
For the English text version and links to similar poems, see When Webs of Steel / Von stählernen Waben.
For the English visual version and for a related word cloud, see the previous post, Webs of Steel (Visual Poetry).
Von stählernen Waben
Von stählernen Waben und gläsernen Wänden
beschränkt auf ein spärliches gräsernes Eck,
steh’ stille und spüre dein Blut in den Händen:
Du hast ein Gesicht; und du hast ein Geschick.
Will keiner dich kennen, verstehen und lieben,
gibt keiner verborgene Neigungen her,
hol’ Atem – hol’ Atem – und freu’ dich am Leben:
Ich weiß es ja, bin ja bei dir übers Meer!
Christina Egan © 2015
Parkbank im Herbst
Trefflich (Gazakrieg)
Trefflich
Ach, wozu noch Meeresblau
je beschwören und wozu
Wellenschlag und Morgentau,
wenn ein Paar bestickter Schuh
bunt aus Schutt und Asche schaut,
– angefaucht und fortgefegt –
und die namenlose Braut
nie mehr ihre Füße hebt,
nie ein Kind zum Himmel hält…
Ach, wie bleibt das Meer bloß blau?
Denn es stirbt die ganze Welt,
frißt der Drache eine Frau.
Fällt die Kugel einen Mann,
klagt ein ganzes Engelheer.
Lautlos schreit ein Schlüsselbund
aus dem Schrott,– doch hört ihn wer?
Paßt der Schlüssel auch ins Schloß,
hängt die Tür in schräger Wand,
denn ein treffliches Geschoß
riß das Haus halb in den Sand.
Immer wieder gibt es Krieg
voller Lügen, voller Lärm.
Niemals aber gibt es Sieg,
nur die Hoffnung wie ein Stern.
Christina Egan ©2024
(Gazakrieg)
In this poem, War is personalised as a hissing dragon burning, devouring, or blasting away everything in its way.
The title is a pun on an old word for “excellent”, literally “hitting precisely”: in a war, success is based on destruction.
On October 7th, 2023, the Palestinian terror organisation Hamas committed a massacre and mass abduction in Israel, whereupon the Israeli Government launched a war on the Palestinian territory of Gaza. It has since attacked the West Bank and invaded neighbouring country Lebanon, where the terror organisation Hezbollah de facto rules. The aim on both sides is evidently genocide. This is destruction against destruction, revenge upon revenge, genocide versus genocide.
Buntbetupft
Buntbetupft
Nur
einen
seligen
Sommer,
einen zweiten
und dritten tanzten
du und ich inmitten einer
buntbetupften Wiese unter dem
Summen der Hüpfer und Hummeln,
unter des Bussards hoher Wacht.
Und keiner von uns beiden
wußte, was bliebe,
und keiner
nannte es
Liebe.
Aber
das Leben
war gegeben,
wie es nur Kindern ist,
Heiligen oder Toren oder eben
Liebenden, und die Freude war stark
wie die Pracht der Mittsommersonne.
Die Erde war rund und bunt, und
ihre Haut duftete uns! Wir
drehten uns schnell,
alles drehte sich
um uns, es
war ein
Heute,
hell.
Christina Egan ©2021
The shape of the poem emulates two children holding hands and whirling around, or two spinning-tops…
Illustration from ‘Children’s games throughout the year’ (1949) by Leslie Daiken.
Apfeltraum / Apple-dream
Apfeltraum
Wohin die Liebe fällt
wie Apfelkerne oder so –
ins Irgend- oder Nirgendwo –
erblüht ein Apfeltraum
vom Garten Eden.
Das leuchtet und verwelkt…
Doch heimlich und gelegentlich,
vermeintlich gar versehentlich,
erwächst ein Apfelbaum
daraus im Leben.
Christina Egan ©2024
Apple-dream
Wherever love may fall
like apple-pips perhaps
– into a field or cracks –
new blossom will enthral,
an apple-dream of Eden.
It burns and fades, that glow…
Yet sometimes secretly,
– by chance or destiny? –
the apple-dream will grow
into an apple-tree.
Christina Egan ©2024
Image: Cover art for sheet music (1920).
Lautlose Rede
Lautlose Rede
Kurven von Tinte und Ketten von Lettern,
Wörter und Worte wie bunte Girlanden
steigen und ziehn über Erde und Meer…
Ketten von Lettern, die leuchten und flattern,
bunte Girlanden, die kreisen und landen,
zaubern dir lautlose Rede her…
Es ist bloß Papier, es sind bloß Gedanken,
doch bringen sie Herzen und Häuser ins Wanken
und fallen gleich Samen in wartenden Sand.
Was ist das Geheimnis der Blätter, der Briefe?
Als ob eine Seele die andere riefe…
Als ob ein Geist den andern entflammt!
Christina Egan ©2023
Some lovely handwritten letters from friends.
Photograph: Christina Egan ©2020.
With great thanks
to my friends who write letters to me –
some have done so for over forty years!
Hochzeitssegen / Wedding Blessing
Hochzeitssegen
Malen die Schwalben verschlungene Schrift
aufs Blau wie ein uraltes Liebesgedicht,
baden die Wolken in rosigem Licht,
schwanger mit Regen, der Ernte verspricht,
während sich Finger in Finger verflicht
und Auge zu Auge nun schrankenlos spricht.
Segen der Erde schwelle und steige,
Segen des Himmels sinke und bleibe!
Christina Egan ©2017
Wedding Blessing
May the sun shine and the stars
On you both all the way.
May your wishes and your dreams
All come true from today.
May the blessings from below
Rise and swell, rise and swell.
May the blessings from above
Sink and dwell, sink and dwell.
Christina Egan ©2024
The English poem was inspired by the
German poem but is not a translation.
As often in my poetry, “Himmel” or
“above” may mean the sky or Heaven.
Photograph: Christina Egan ©2020
rosengarten (I. tiefversteckt)
rosengarten
I. tiefversteckt
wieviele monde sind uns noch beschieden
die ungeahnten sonnenglanz vergießen
wieviele rosen werden uns noch sprießen
aus blut und duft als wäre leben lieben?
wieviele strände dürfen wir genießen
im wilden norden und im kargen süden
wo winde endlos sich mit wellen wiegen
wieviele sommer sind uns noch geblieben?
du bist der tiefversteckte rosengarten
den ich nach langem suchen langem warten
betrübt doch immer hoffnungsvoll betrat.
du bist der mond der gleich der sonne leuchtet
du bist die brandung die den sand befeuchtet
du bist die erde wie am ersten tag.
Christina Egan ©2023
This sonnet forms the basis of a cycle of 14 poems, whereby each line furnishes the first line of a new sonnet (Continental pattern). Watch this space for the rose garden project (ROSENGARTEN).
This cycle is not about gardens alone or about islands, although many far-flung places will be reflected in these lines: it is about finding love and happiness, going through life together, finding liveable spaces…

Word cloud of ten German sonnets (rosengarten I-X),
generated on the Simple Word Cloud Generator.
In the chance arrangement, words picked out
by size and colour form the sentence:
“how many rose gardens where we,
(O) you, may yet live?”
P.S.:
You can now view a word cloud of all 14 sonnets at WordItOut
and have it printed on a mousemat or mug or fridge magnet!




