Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum,
im Frühlingswind verloren und im Traum…

Ich schaue auf die blauen Höhn,
die kühn wie Vorzeitbauten stehn.
Ich lausche auf den Vogelsang,
in meinen Adern steigt ein Drang!
Ich schaue auf den Horizont,
von dem mir meine Hoffnung kommt.

Ich steh’ im Felde wie der Lindenbaum,
in Frühlingsnacht verloren und im Traum…

Ich schaue auf die Stadt im Tal
mit Erdensternen ohne Zahl.
In meinen Adern steigt der Saft,
ich streck’ mich mit versteckter Kraft!
Bevor noch süß die Linde blüht,
blüht früh und süß der Linde Lied.

Christina Egan © 2012

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The mountain range on the horizon is the Rhön and the city in the valley is Fulda, Germany. There are more lines to this poem to make a song of it: part wistful and part hopeful, part heavy-hearted and part light-hearted!

The phrase ‘Town in the valley’ is echoed in the poem of the same name, Stadt im Tal.

Die Hängenden Gärten / Palmyra Perennis

Die Hängenden Gärten

Schwarz liegt der Strom, von Gestirnen benetzt,
blendend erhebt sich der Herrscher der Nacht
über die Hängenden Gärten,
über den künstlichen Gipfel,
welcher den Hügel ins Flachland versetzt,
welcher den Wald in die Großstadt gebracht,
über die plätschernden Gärten,
über die flüsternden Wipfel…
Flimmernd erhebt sich die Harfe zuletzt,
warm liegt die Stadt in versilberter Pracht.

Christina Egan © 2015

Basalt stone with carved images of trees, with a building, an animal and a man

The city of Babylon. Assyrian, 7th c. BC. —
© The Trustees of the British Museum
(Ref. no. 00032445001)

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These musical lines evoke Babylon by night:
the moon and stars reflected in the Euphrates,
the Hanging Gardens rising above the big city,
murmuring fountains and a sparkling harp…
It could be the instrument which rises
sparkling like a star — or its voice.

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Palmyra Perennis

Sank auch der stolze Bogen dahin mit dreifachem Seufzer,
ragt uns sein Bildnis im Geist schwerelos über dem Sand.
Sind auch zum Staube gekehrt der Ahnen goldene Hallen,
tragen das Erbe wir fort: sanften Triumph der Vernunft.

Christina Egan © 2015

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For a picture of the ruins of Palmyra and a comment on
this poem on enlightenment, please look at my
MOTTO.

The view that cultural vandalism should be recognised as
a war crime akin to genocide has been discussed recently.

Die Perle im Acker

Die Perle im Acker

Die eine runde Stunde
in deinem Zauberkreis —
Das Licht im Augengrunde,
von dem du selbst nicht weißt —
Musik aus deinem Munde,
die Seligkeit verheißt —
Die Perle ist gefunden,
ich zahle jeden Preis!

Christina Egan © 2016

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Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann,
der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle
fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und
kaufte sie.

Mt 13, 45-46

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These lines may work in a translation software…
although I would not claim to find ‘salvation’ in
a human being, only ‘bliss’ (but this indeed)!

Heimkehr nach Köln

Heimkehr nach Köln

Die türmenden Inseln
der Kirchen,
die aschgrauen Schachteln
der Häuser,
die lärmenden Räder
der Plätze –

Geborgen bin ich
im Schoß meiner Stadt,
die mich die Sprache lehrte,
die vergessene Sprache,
die schlichten Gesänge
verschütteten Glücks.

Ein goldenes Antlitz taucht
aus dem bunten Dämmer hervor.
Wer bist du?
Geh nicht fort, Gesicht
ohne Namen, leihe mir
mein Geheimnis heut nacht!

Christina Egan © 1992

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This poem about homecoming to a big city could refer to a place where someone grew up; or where they lived in the past; or where they may have lived in a former life on earth.

Bronze head of a bishop, mediaeval yet classical in appearance.Therefore, the mysterious golden face which is the key to the past could be a late relative; or a lost friend; or else a historical figure. I was thinking of this portrait at the back of Cologne Cathedral.

Photograph: „Grabmal Konrad von Hochstaden Gipsabdruck“ von Elke Wetzig (Elya)

Heimat gibt es doppelt

Heimat gibt es doppelt

Heimat gibt es doppelt: Heimat deiner Jugend,
Kopfsteinpflaster unter den karierten Schuhn;
anderswo vielleicht dann Heimat deines Herzens,
wo gewundne unsichtbare Wurzeln ruhn,

wo die Glocken süß und voll Verheißung beben
wie die frühen fliederfarbnen Azaleen,
wo die vielen flachen blassen Hausfassaden
lächeln, wenn die Wolkenschatten weiterwehn….

wo vor himmelstürmend hohen Kirchentürmen
glutrot oder sonnengelb die Blüten sprühn
und der Teppich der Jahrhunderte darunter
ruft, um deinen Lebensstrang hineinzuziehn.

Christina Egan © 2010

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Another love letter to my favourite city, Cologne!

ostermorgen

ostermorgen

der schwere aschenfarbne vorhang
aus wolken zerrissen und weggefegt
spätmärzhohe morgensonne
ergießt sich als murmelnde orgelfuge

etwas ist geschehen
etwas ist dennoch geschehen
etwas
ist

lösende
lockende
gegenständliche
gegenwart!

Christina Egan © 2013

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This poem about Easter morning was published in a previous edition of the Rhönkalender. It does not work in translation machines because the language is unusual and innovative.

For Christians, the resurrection of Jesus is not a myth or symbol but a historical and cosmic event; and God is not a distant force but a living presence.

For more on the symbolism of Lent and Easter, see my previous post Fastenzeit / Lent.

Fastenzeit / Lent

Fastenzeit

An bitterem schwarzen Brot
nagt mein Mund.

An bitterer schwarzer Erde
nagt mein Herz.

Grauer Wind
fegt die Fluren rein.

Alles fastet
der Farbenfülle entgegen.

Christina Egan © 1985

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Lent

My foot sinks
into bitter black earth.

My heart gnaws
on bitter black bread.

Grey wind
sweeps the fields clean.

Everything fasts
towards the flood of flowers.

Christina Egan © 1999

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The church year mirrors the natural seasons  and symbolises our life events: voluntary renunciation in Lent corresponds to the hardships of winter or to emotional deprivation.

I shall shortly post a poem about Easter at ostermorgen, where faith in God and resurrection is linked to the renewed sunshine of spring and to the experience of communion and fulfilment.

In Marrakesch (Einst fiel ein Regenbogen)

In Marrakesch

Einst fiel ein Regenbogen auf die Wüste
zersplitterte in funkelnde Oasen
in Perlen Spiegel abertausend Tücher
in Brunnen Palmen abertausend Rosen

Zum Regenbogen wird der Horizont
zum schwarzen Drachenkamm das Hochgebirg
und über kühnen Türmen hängt der Mond
wenn Dunkelheit das Mauerrund umwirbt

Und immer Hupen Räder Rufen Reden
Laternen Tänzerinnen wie zum Fest
Dies ist die Stadt wo jede Nacht das Leben
ein Feuerwerk ist: Dies ist Marrakesch!

Christina Egan © 2012

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There is a longer version of this poem, as lyrics for a love song, for once a happy one…

This text may work in a translation software. You can read an English poem about Marrakesh at Winter Sunrise in Morocco.Vast square by night, illuminated by lamps in market stalls, with the sunset along the horizon and a massive minaret showing. The Square of the Dead is incidentally the most lively place on the planet. You must visit it after dusk to get the full experience. Nothing prepares you for Marrakesh!

Photograph: Square of the Dead, Marrakesh, Morocco. Christina Egan © 2012

Am Rad der Weltgeschichte

Ich möcht am Rad der Weltgeschichte stehn

Ich möcht am Rad der Weltgeschichte stehn
Und eine Nacht beharrlich rückwärts drehn
Das Telefon zerfällt in deiner Hand
Der Flachbildschirm entgleitet deiner Wand
Das Internet verweht wie bunter Rauch
Die Rapmusik verebbt im Morgenhauch
Durchs Weltall stürzen Sonden zu uns her
Die schwarze Fahne rutscht vom Schießgewehr
Palmyra schüttelt sich aus Schutt und Sand
Manhattans Splitter fügen sich zum Band

Und wenn die Mauer aus dem Staube steigt
Dann halt ich an – und die Geschichte schweigt

Dann geh ich aus und such und finde dich
Und nichts und niemand hält und hindert mich

Der Rest darf weiterrasseln wie zuvor
Die Mauer stürzt es platzt das Wüstentor
Die rote Fahne sinkt die schwarze steigt
Und Pluto wird gefilmt und Mars erreicht
Das Internet wird um die Welt gespannt
Der Bildschirm schrumpft in deine hohle Hand
Doch mitten in des Lebens Wirbelsturm
Stehn du und ich wie jener Doppelturm

Zweitausendfünfzehn schrieb ich dir dies Lied
Denn ich bin müde und die Zeit entflieht

Christina Egan © 2015


Dense layers of rusty gearwheels.The narrator imagines that he or she can turn back the wheel of history.

Tiny hand-held telephones, huge television screens, and the whole internet dissolve; one after the other, the Arch of Palmyra, the Twin Towers, and the Berlin Wall rise from the debris.

Then the person stops history to find the beloved one this time round and live a new life together, while everything else rolls on as before: the monuments fall, the internet rises, till we arrive back in 2015.

These lines could be developed into a rock song. I imagine hard music which grows more intense until it stops when history stops!


Rusty gear wheels. Photograph by susannp4 (Susann Mielke).

Nonnenkloster

Nonnenkloster

Initial of mediaeval manuscript, filled with monks and nuns singing from such a missal on a lectern above them; in gold and bright red, blue and green

Schneegleich
steigt Schweigen
aus den steilen Wänden,
aus den gefalteten Händen,
den vornübergeneigten Schleiern.
Und doch ist alles ein Feiern,
als sei, wenn es schneit,
ein Staub von Gold
über die Gärten gestreut…

Zeit, Zeit
tickt hier laut
in den langen dunklen Uhren,
in den blankbefliesten Fluren,
weil die Ewigkeit
sie so beschwert
wie Wasser eine weiße Schüssel.
Und jeder geschmiedete Schlüssel,
der gegen ein Gitter klappert,
klingt
wie ein Versprechen,
das Gott nicht brechen will.

Sunlit walled flower garden with sturdy stone cross in corner

Es singt
am Rasenrand
der Schneeglöckchenchor,
ein besticktes Band.

Und jede ungeschmückte Wand
durchdringt
das goldne Schweigen
wie der Frühlingssonne sanfte Hand.

Christina Egan © 2006

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I owe this overpowering experience of peaceful silence to the Carmelite monasteries of London (Most Holy Trinity) and Cologne (Maria vom Frieden), which are based on a philosophy of shared “silence and solitude”.

Photographs:
Liturgical book for Eastertide (1450s).
Sailko via Wikimedia Commons. —
Nunnery garden, hidden in the midst of a big city. Christina Egan © 2014