This is the End (Yet all will be well)

This is the End

Most days are too harsh, and most days are too dark,
and most hours are trundling along through a void,
while the moons fade away, barely leaving a ray,
and proud cities, piled up to the clouds, are destroyed.

Yet all will be well, yes, it yet will be well,
and all manner of things will be well in the end,
when in fathomless bliss like a fathomless kiss
all the stars, all the spirits will brighten and blend.

Christina Egan © 2004


Lines five and six are a quote from Sister Julian of Norwich,
an English hermit and mystic who lived six hundred years ago.

In Advent, which this year starts today, Christians also think of
the inevitable and terrifying end of the world.

Massive stone walls piled upon each other

The Tower of Jericho, around 9,000 years old. Photograph:
Reinhard Dietrich (Own work), via Wikimedia Commons
.

regenbogenlied

regenbogenlied

in meinem herzen geht die sonne auf
man sieht es nicht auf meinem lebenslauf
ich bin gekettet an denselben platz
ich bin verwickelt in dieselbe hatz

doch fällt ein lächeln mir aufs angesicht
wie wenn das licht sich bunt am regen bricht
wie wenn das licht
wie wenn das licht
sich bunt am regen bricht

 

in meinem leben geht die sonne auf
ich setz es nicht auf meine karten drauf
ich pflüge weiter auf demselben feld
ich mache schulden und ich mache geld

doch fällt ein lächeln mir aufs angesicht
wie wenn das licht sich bunt am regen bricht
wie wenn das licht
wie wenn das licht
sich bunt am regen bricht

 

in meinen augen geht die sonne auf
und scheucht den nebel und den frost hinaus
die matten haare glänzen silbern auf
und kunterbunt kurvt nun mein lebenslauf

doch liegt ein lächeln mir im angesicht
wie wenn das licht sich bunt am regen bricht
wenn mein gemüt
wenn mein gemüt
sich bunt am segen bricht

Christina Egan © 2011


Is the blissful encounter which has invisibly changed a life one with another person or with God? As in Im Inneren des Regenbogens / Inside the Rainbow, it is left open.

Inside the Rainbow inspired Francis Logan to this beautiful piece of music, available on SoundCloud and YouTube:Image: Still from Inside the Rainbow on YouTube. Music and video: Francis Logan © 2018.

Grand Canyon Psalm


Grand Canyon Psalm

I.

Nothing prepares you
for the heart of the world
lying open before you:
luminous layers
of rosy rock,
jagged and rounded,
leading down, down,
right into the earth.

In the silver silence
of night, you hear
how this heart beats:
it trembles and rumbles,
it nudges your bedstead,
unsettles your cottage,
reminds you of death
and life and the earth.

Undulating layers of pink and mauve rocks and peaks, with trees in the foreground.

II.

Nothing prepares you
for the ear of the world,
always wide open,
always upturned,
listening out
for the thud of the pine-cones,
the dance of the deer hooves,
the chant of the milky-way.

You have arrived
at the mouth of the world,
its voice of thunder,
its eloquent silence.
Here you stand, struck,
quiet at long last,
as tiny as an ant,
anointed like a king.

Christina Egan © 2018

 

A tiny fraction of the immense expanse of the Grand Canyon.
Photograph: Christina Egan © 2008.

die unterseite der ahornblätter

die unterseite
der ahornblätter

die unterseite
der ahornblätter
zu entziffern
bin ich bestellt

die verästelungen
der äderchen
die lebenslinien
und altersflecken

pergament
durchsichtig
gegen das licht
liebesgedichte

bettlerschalen
dankbar und demütig
bischofskelche
frohgemut hochgemut

die unterseite
der ahornblätter
zu besingen
bin ich geboren

Christina Egan © 2019

Die Unterseite der Möwenflügel

Die Unterseite der Möwenflügel
läßt mich die sinkende Sonne erahnen,
das ragende Raster der Fensterspiegel
darf mir ihr blendendes Angesicht rahmen!

Dies ist die Kreuzung voll Hast und Getöse,
Räder und Füße wie wirbelndes Laub,–
dies ist der Augenblick, den ich erlese,
Blitzen und Blinzeln im zehrenden Staub.

Christina Egan © 2019

Im Stand der Sehnsucht

Im Stand der Sehnsucht

Ob ich einst im Stand der Gnade sterbe,
ob im Stand der Sünde, steht dahin.
Eins nur ist gewiß: Als Kind der Erde
suche ich in Stein und Blume Sinn,

setze meine Hoffnung auf die Wogen,
werfe meine Sehnsucht in den Wind,
baue meinen eignen Regenbogen –
eines ungestümen Strebens Kind!

Leben will ich, leben, eh‘ ich sterbe,
Träume kneten in den Teig der Zeit,
denn ich bin ein Kind der reichen Erde
und der reinen fernen Ewigkeit.

Christina Egan © 2011

Wer schaut (Wer lauscht)

Wer schaut

Wer schaut,
sieht, wie die seltenen Wolken ziehen,
über die Firste entfliehen,
und dann, wie der Himmel blaut.
Bloß blaut.

Wer lauscht,
hört die stumme Amsel
das heiße trockene Gras durchstreifen
und den seltenen Wind sich erheben,
wie er die blühenden Büsche bauscht.

Tall purple verbena with two white butterflies, one sitting, one flying, with its wings spread out.Wer lauscht,
hört die Schwalben pfeifen
und weiß, daß die Heiterkeit
noch eine Zeit bleibt
vor dem Herbst.

Wer schaut,
sieht die Blaubeeren reifen
im selben sommersatten Rotviolett
wie das ragende Eisenkraut…
und auf dem matten Blaubeerlaub
den winzigen flatternden Schatten
und dann den wolkenweißen
Schmetterling selbst.

Wer lauscht,
schweigt
in ein leuchtendes Schweigen hinein.

Wer schaut,
begreift
und darf sein.

Christina Egan © 2018

Garden with a few colourful flowers and berries in the foreground.

Photographs: Christina Egan © 2013 (butterflies) / © 2014 (garden).

Esquisse

Pond with weeping willow reflected and white goose crossing. Very pale, almost black and white.

Esquisse

Les files de feuilles rondes brillent
comme une parure fine, obscure ;
la brise bouge les brindilles,
son souffle touche ma figure.

 

Pond with weeping willow reflected and white goose crossing.

Je suis présent, je fais partie
de la grande ville, de la nature…
Et tout ce monde et toute cette vie
n’est qu’une esquisse, une ouverture.

Christina Egan © 2017

 

 

Ich glaube, daß, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehn, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist.

Arthur Schopenhauer

Photograph: Christina Egan © 2018.

Sooft die Sonne rot

Sooft die Sonne rot

Sooft die Sonne rot
auf dem Seil des Horizontes steht
und bebt und loht
und schweigt
und steigt und steigt,
als wolle sie der Erde Angesicht entfachen,

so steht das Herz
und schaut und staunt
und schwebt
und schlägt und schlägt
und weiß: die Welt
ist ein errötendes Erwachen
und wird bald ganz in Flammen stehn…

Christina Egan © 1990

Gleam of rising sun through black web of bare branches and twigs.

 

You can get the sense of the text more or less through an automatic translation; but you would have to read it aloud in the original language in order to get the music of the language and the rhythm of the heartbeat…

 

Photograph: Christina Egan © 2017.

 

au jour des ténèbres

au jour des ténèbres

Three tall gothic windows with modern stained galss, abstract and subdued.au jour des ténèbres
une chandelle dansait
au jour des funèbres
une fleur étincelait

à l’heure de silence
une voix m’a touché
à l’heure de souffrance
une main m’a brossé

à l’aube très lente
une étoile est surgie
dans l’âme patiente
la lueur s’élargit

comme si la souffrance
se tintait de bleu
ô douce espérance
qui baigne les yeux

Christina Egan © 2018

This poem was inspired by a French church service where the words ‘souffrance’… ‘silence’… ‘patience’… seemed to echo in the dark church on a dull Good Friday…

Windows in St Nicholas, Ghent. Photograph: Christina Egan © 2018.

Beginenhof in Ghent

Beginenhof in Ghent

wie finde ich sie wieder
die reihen schwarzer türen
die zu den treppengiebeln
und tulpenbäumen führen

Gate into cobblestone lane with white walls, black doors, and red buildings behind.wie kann ich sie entdecken
die schlichten weißen mauern
die um erblühnde hecken
und rote häuser dauern

gewunden sind die gassen
versperrt von breiten flüssen
geborsten ist das pflaster
und meine schuh zerschlissen

wo nisten die gestalten
in schwarz und weißen trachten
wie hundert flinke schwalben
über den grauen grachten

wo sind die schönen schriftzüge
die weiß auf schwarz verkünden
die heiligen drei könige
wärn manchmal anzufinden

wie finde ich sie wieder
die schweren blanken türen
die durch bestirnte lieder
ins glühnde schweigen führen

Christina Egan © 2018

Two heavy black wooden doors in a white brick wall, with inscriptions as below.

“House of the Three Wise Men” (Three Holy Kings, in other languages) and “House Jesus, Mary, Joseph” at a former Beguinage in Ghent (Klein Begijnhof).

This was a type of convent where the sisters were allowed to go out and also to leave after each year of service. I imagined the story of a woman who wants to rejoin the community and for some reason ‘cannot find it any more’.

Photographs: Christina Egan © 2018.