Ich knabbre an Träumen

Ich knabbre an Träumen

I.

Ich knabbre an Träumen,
sie machen nicht fett,
sie machen den Mangel
an Leben nicht wett.

Sie füllen die Augen
mit flüchtigem Licht,
zerreißen das graue
Gewölk aber nicht.

Ich trinke Erinnrung
wie Tropfen von Gold
und spür’, wie die Zukunft,
die Zeit mir entrollt.

II.

Bundle of daffodils in front of a wooden fence in bright sunlight.

Ich klammre die Hände
um Murmeln aus Glas
und flüstere Wünsche
ins glitzernde Gras.

Die Murmeln sind tief
in den Taschen versteckt:
Noch nie hat ein Mensch
meine Träume entdeckt,

noch nie hat ein Freund
meine Träume geteilt,
am gläsernen bunten
Geäst sich erfreut.

III.

Es leuchten Narzissen
wie Sterne am Zaun,
wie stille Versprechen
im quellenden Raum.

Doch rinnt mit dem Regen
das Heute dahin…
Mir knistern wie Flammen
die Träume im Sinn,

wie blaßblaue Geister
und hellrote Glut –
O wehe den Menschen
mit Sehnsucht im Blut!

Christina Egan © 2012

Photograph: Christina Egan © 2017.

April Rules the Land

April Rules the Land
(April haiku)

April rules the land,
leaden and golden in turns,
wayward as we are.

*

Oxford Street, busy,
a splintered rainbow, patterns,
shaken and broken.

*

The white narcissus 
sings with a voice as sweet as
her brother blackbird.

Christina Egan © 2000

The last haiku originally referred to ‘the ivory rose’, although in England, outdoor roses do not blossom yet in April. When I changed the wording to ‘the white narcissus’ to link it to the season and month, I did not know that the flower’s official name is Narcissus poeticus, or Poet’s Narcissus!

The ivory rose
sings with a voice as sweet as
her brother blackbird.