Nächster Halt: Potsdamer Platz

Nächster Halt: Potsdamer Platz

Schwingt ihre Hüften und wippt ihre Füße
fröhlich die Straßenbahn, macht einen Satz,–
weben Zylinder und Wagenradhüte,
Kappen und Häubchen am Potsdamer  Platz!

Strahlen geschwungene Straßenlaternen,
äugen Gesichter aus blumigem Putz,
lachen Plakate und wirbeln und werben:
Pflückt euch das Leben am Potsdamer Platz!

Längst sind zu Staub die Fassaden zerstoben,
längst ist verklungen Berlins Karussell,–
aber im Geiste, dem Zeitlauf enthoben,
dreht es sich kunterbunt, munter und schnell.

Christina Egan © 2017

Noble townhouse with rich stucco ornaments and rose-tree.

This poem is the middle part of my Berlin Triptych, together with Nächster Halt: Bahnhof Zoo and Nächster Halt: Flughafen Schönefeld. Someone arrives at Zoo Station, then passes Potsdamer Platz on a round-trip, and leaves from Schönefeld airport.

For an English poem about the same square, go to Glass Mountain (Potsdamer Platz).

Photograph: Noble townhouse in Berlin — one inspiration for these lines! Christina Egan © 2016.

King Spring / König Frühjahr

King Spring

The highway under my window is suddenly flooded with sun.
I see a strange person passing – his face is greenish and long,
his hat is purple and pointed – and followers thronging, hatless.
Is it a pharaoh? A druid? A dancer in fancy-dress?
I’ve spotted a spearhead of petals, magenta pushed up into blue,
the first magnolia flower: King Spring and his retinue!

Christina Egan © 2016

Large long buds above a road, with one opening in bright magenta, the folded petals looking like a hight hat.

König Frühjahr

Die Landstraße unter dem Fenster liegt plötzlich im Sonnenlicht.
Da geht ein fremder Geselle mit grünlichem langem Gesicht
und purpurner spitzer Mütze; Barhäuptige folgen ihm.
Ein Pharaoh? Heidenpriester? Ein Tänzer im Narrenkostüm?
Es ist eine Lanzenspitze, rosenrot hochgereckt,
die erste Magnolienblüte: Ich hab’ König Frühjahr entdeckt!

Christina Egan © 2016

Photograph:  Magnolia buds (England, February). Christina Egan © 2016.

das dritte bild

das dritte bild

dein foto ist der neugier aller welt
auf einem internetplatz ausgestellt:
man sieht den hut, viel haar und auch gesicht,
die augenlider, doch die augen nicht.

verschlossen steht und abseits tief in mir
ein anderes, ganz altes bild von dir:
ein überscharfes leuchtendes profil,
als ob’s aus einem traum zersplitternd fiel.

noch in der zukunft liegt das dritte bild,
das meinen wilden durst nach leben stillt:
ich sehe, wie du leuchtest, weil du lebst,
wenn du dich wendest und die augen hebst.

Christina Egan © 2011


 

The narrator adores a man or woman of whom he or she has gathered only a few impressions: mainly a distant memory and an online photo. These two are the past and the present; the future consists only of imagined images.