das dritte bild

das dritte bild

dein foto ist der neugier aller welt
auf einem internetplatz ausgestellt:
man sieht den hut, viel haar und auch gesicht,
die augenlider, doch die augen nicht.

verschlossen steht und abseits tief in mir
ein anderes, ganz altes bild von dir:
ein überscharfes leuchtendes profil,
als ob’s aus einem traum zersplitternd fiel.

noch in der zukunft liegt das dritte bild,
das meinen wilden durst nach leben stillt:
ich sehe, wie du leuchtest, weil du lebst,
wenn du dich wendest und die augen hebst.

Christina Egan © 2011


 

The narrator adores a man or woman of whom he or she has gathered only a few impressions: mainly a distant memory and an online photo. These two are the past and the present; the future consists only of imagined images.

Heimkehr nach Köln

Heimkehr nach Köln

Die türmenden Inseln
der Kirchen,
die aschgrauen Schachteln
der Häuser,
die lärmenden Räder
der Plätze –

Geborgen bin ich
im Schoß meiner Stadt,
die mich die Sprache lehrte,
die vergessene Sprache,
die schlichten Gesänge
verschütteten Glücks.

Ein goldenes Antlitz taucht
aus dem bunten Dämmer hervor.
Wer bist du?
Geh nicht fort, Gesicht
ohne Namen, leihe mir
mein Geheimnis heut nacht!

Christina Egan © 1992

This poem about homecoming to a big city could refer to a place where someone grew up; or where they lived in the past; or where they may have lived in a former life on earth.

Bronze head of a bishop, mediaeval yet classical in appearance.Therefore, the mysterious golden face which is the key to the past could be a late relative; or a lost friend; or else a historical figure. I was thinking of this portrait at the back of Cologne Cathedral.

Photograph: „Grabmal Konrad von Hochstaden Gipsabdruck“ von Elke Wetzig (Elya)