The Lavender’s Splendours / dachterrasse

The Lavender’s Splendours

On brittle grey walls,
find brittle grey sheaves
on wire-thin stalks
with tired long leaves…

Lavender with fresh and wilted blossom, next to pale-golden grass.

The lavender’s splendours
of indigo spikes
are ashes and embers:
dull grey with mauve lights.

Yet grasp its pale grains
and grind them to flakes –
and dazzling white flames
will rise when it wakes!

Christina Egan © 2016


dachterrasse

dachterrasse
traumgehege

der straßenkreuzung den hinterhöfen
den baustellen enthobenShrub with bright-red berries on a roof-terrace, with deep-red ivy below.

lavendel und rosen
wuchern und welken

der feuerdorn verheißt
lautlose feuerwerke

Christina Egan © 2016

Photographs: Christina Egan © 2016

Zugewogen


One year later:
My 125th post!


Zugewogen

Altar, bright golden, in church, Neo-Gothic, with plenty of lit candles beneath.In den Gezeiten des Lebens,
in dem Getriebe der Stadt
suchst du verzweifelt, vergebens
Liebe, die Zukunft hat.

Tritt ins Portal einer Kirche,
schau’ in die flackernde Flut,
entzünd’ eine winzige Kerze
und wisse: Alles wird gut.

Alles ist zugewogen,
Liebe und Freude und Leid;
niemand wird je betrogen
um Sinn und um Seligkeit.

Christina Egan © 2011

St Ludwig, Berlin (near Ku’damm).
Photograph: Christina Egan © 2016

“Everything is weighed for you, love and joy and suffering; nobody will ever be cheated out of meaning and of bliss.”

I believe this beyond any doubt, although not everything will come all right this side of death. Lighting a candle in a place of worship in the midst of our busy lives gives us comfort and peace at any rate.

This poem on faith and destiny was published in a previous edition of the  Münsterschwarzacher Bildkalender. The 2017 calendar is available now, with 52 photographs and 52 poems and addresses (one of them by me: psalm für dich).

psalm für dich / The Charm

psalm für dich

ein schwebender lebender planet
ist dein auge
ein schimmernder sternennebel
dein haar

manche menschen drehen sich nach dir um
und auch manche engel
Gott hat dich erfunden
um sich zu erfreuen

Christina Egan © 2012


This poem has just been published in the Münsterschwarzacher Bildkalender 2017.

The person described may be someone the speaker is in love with or someone else, like a young child. Ultimately, it could be each one of us. I imagine that God feels as passionately about each human being as we feel only about very few others… and of course, still never as passionately.


The Charm

I want to rest my stormy eyes
in yours to find a moment’s calm;
I want to rest my wounded hands
in yours to find their strongest balm.

I need to lay my heart by yours,
which cast this fast and forceful charm,
I need to hear your heart tune in
to sing a brief and burning psalm.

Christina Egan © 2003

Ein Muster aus Muscheln / Greek Islands

Ein Muster aus Muscheln

Ein Muster aus Muscheln und Bernstein und Bein,
mit Karneol und Koralle durchsetzt,
auf lapislazuliblauem Grund:
So leuchten die Inseln im Sonnenschein,
vor dreitausend Jahren… und letzthin… und jetzt:
ein Mosaik, ein vollendeter Fund.

Vors Fenster des sinkenden Flugzeugs gespannt,
vom Guckloch des finsteren Turmes gerahmt
– nur einen Moment – nur einen Moment –
das Muster aufs wartende Auge gebannt,
die Farben ins wache Gedächtnis gemalt:
ein Bild, das nach dreißig Jahren noch brennt.

Christina Egan © 2016

Standard_of_Ur_BM_121201

Standard of Ur (2500 BC). – Photograph© The Trustees of the British Museum.

I am showing this ancient object – twice as old as our classical antiquity – because it must have inspired my poem about Greece. The images on the box are made of shell, lapis lazuli, and red limestone, but I did not remember those details or  even think of the thing. When you have the chance to go to London, do not miss out on the Sumerian galleries of the British Museum!

The longing for a return to Greece, both for the Mediterranean environment and for the ancient civilisation, is also expressed in On Eating Olives / Beim Olivenessen  and in Greek Islands  (below). There are a number of poems about Crete in German and English on this website.


Greek Islands

There is more blue in the air
between here and the horizon,
between morning and evening,
than the cup of the eye can hold.

So my soul may flow over
into the sky,
into the sea,
into this scattered paradise…

Christina Egan © 2012 


On the topic of the blue Mediterranean Sea, see also Meine blaue Mauer  and O Heimatland aus Stein und Licht. On the manifold colours of the same sea, see The Purple Sea / Das lila Meer.

gesternmuster / Zeit-Räume

A dozen beads of gold, lapis lazuli, cornelian.gesternmuster
(Knossos)

die kolossalen säulen
der stolzen pinien
jener erhabene baldachin
der schutz vor der sonnenflut bietet

die schwarzen weißen blutroten pfeiler
im heiteren palastlabyrinth
jene flecke in einem gesternmuster
das jahrtausendealt ist

Christina Egan © 2016

This is a translation of The pattern of a yesterday . At that post, you can find some photos and a link to an artistic impression of the palace 3,500 years ago.

Photograph: Minoan beads from Crete in gold, lapis lazuli, cornelian, ca. 1700-1500 BC. – © The Trustees of the British Museum.

Zeit-Räume
(Knossos)

Terrassen, Treppen, rote Säulen
zwischen himmelhohen Bäumen,
Marmorschwellen, rote Wände,
um die Ecken neue Treppen…

Wie im Traume muß man wandern
durch die Höfe, durch die Säle,
durch die Wärme, durch die Kühle,
still von einem Raum zum andern…

Schlanke Bäume, schlanke Menschen
stehn vor heitrem Himmel drinnen
in den buntbemalten Zimmern
heute wie vor tausend Jahren.

Keine Läden vor den Fenstern,
in den Türen keine Flügel,
keine Grenzen zwischen Innen,
Außen, Unten oder Oben,

keine Pforten zwischen Heute,
Gestern oder Vorvorgestern
zwischen einem bunten Zeit-Raum
unter Pinien und dem andern.

Christina Egan © 2016

Die Fluten der Stadt

Die Fluten der Stadt

I.

Vor meinem Fenster rauscht die späte Stadt
und glitzert auf im Vollmond, schwarzes Meer;
sie spült Millionen Menschen hin und her,
spielt Fangen, nimmermüd und nimmersatt.
In ihrem Brausen höre ich Willkommen
und lasse mich auf ihren Wellen treiben.
Die Sternbilder der Leuchtreklamen schreiben
sich unter meine Lider… schon zerronnen.
Und nie allein: weil ich alleine bin,
zu Haus im selben Sehnsuchtsleitmotiv
wie jeder andre aufgewühlte Sinn.
Was immer schon in meinen Gliedern schlief,
schäumt ungebärdig zu den Sternen hin:
Ich will dich, will dich wild und meerestief.

II.

Auf vielen Brücken stand ich, ausgespannt
von Stahl und Stein an Themse, Rhein und Main,
und unter allen Himmeln stets allein:
stets einem Unsichtbaren zugewandt.
Es wandeln ja mit jedem neuen Strand
die Menschen wie die Häuser ihr Gesicht,
erstehen anders schon im Morgenlicht;
und immer wieder scheint mir eins verwandt.

Die Fluten wechseln – braun, blau, grau und grün –
die Augen ebenso, die mich gebannt,

sie füllen meine Augen – und entfliehn.
Doch deine, die ich nur von ferne fand,
die kaum mich streiften, seh ich weitersprühn…
Und ihre Farbe hab ich nie gekannt.

Christina Egan © 1995 / 1996

Black and white panorama of London skyline from a Thames bridge, with another bridge, boats, skyscrapers, St Paul's.

London. Photograph: Christina Egan © 2014


The narrator looks for love amidst the masses of the big city by the big river, where the star constellations consist of neon advertisements. She or he adores someone whom she has only seen from afar so that she does not even know the colour of his or her eyes.

Each sonnet makes a paradoxical statement about loneliness: This person is never lonely because many other people in this city share her loneliness; and she is always lonely because she is in the presence of a beloved one who is absent.

das dritte bild

das dritte bild

dein foto ist der neugier aller welt
auf einem internetplatz ausgestellt:
man sieht den hut, viel haar und auch gesicht,
die augenlider, doch die augen nicht.

verschlossen steht und abseits tief in mir
ein anderes, ganz altes bild von dir:
ein überscharfes leuchtendes profil,
als ob’s aus einem traum zersplitternd fiel.

noch in der zukunft liegt das dritte bild,
das meinen wilden durst nach leben stillt:
ich sehe, wie du leuchtest, weil du lebst,
wenn du dich wendest und die augen hebst.

Christina Egan © 2011


 

The narrator adores a man or woman of whom he or she has gathered only a few impressions: mainly a distant memory and an online photo. These two are the past and the present; the future consists only of imagined images.

Hochsommerhimmel

Hochsommerhimmel

Himmel, wolkenlos
schon am Morgen. Schwalbenflug
bestickt das Hellblau.

*

Himmel, weich und warm
über Mittag. Seidentuch,
endlich einfach blau!

*

Himmel, licht und sanft
noch am Abend. Holzspanduft
umwebt die Rosen.

Christina Egan © 2015

Geflecht / Geflechte

Geflecht

Jedes Leben ist verstrickt,
Masche um Masche, Stich um Stich,
in die Leben neben ihm,
ob wir’s wollen oder nicht.

Jede Reihe ist verschlungen,
ohne daß das Garn je bricht,
in das vorige Geflecht,
ob wir’s wissen oder nicht.

Jeder Jahrgang ist der Boden
für die nächste bunte Schicht:
Kaum geboren, sind wir Ahnen
für ein künftiges Geschlecht.

Christina Egan © 2015

Silk cloth dominated by vivid pinks and greens.

Geflechte
(Altstadt von Köln)

Reihen auf Reihen von Häusern,
hell und freundlich im Frühlingslicht,
Reihen auf Reihen von Fenstern,
schimmernd in allen Augenfarben.

Und hinter einem jeden Fenster
Gesichter… Geschichten… Geflechte.
Und unter einem jeden Pflaster
Pflaster… Pfade… Schwellen.

Stockwerk um Stockwerk von Leben,
hinauf ins ausgelassene Blau!
Schicht um Schicht von Geschichte
bis in den unbetretenen Staub.

Ich strecke mich hin auf dem Mäuerchen hier
und höre die Vögel und höre ein Herz –
Das Herz diese Platzes? Das Herz dieser Stadt?
Mein eigenes Herz, wie es schlägt für die Stadt?

Christina Egan © 2016


These poems describe human life as a knitted or woven tissue: every person is a mesh amongst, above, and below others. Every little life is part of a layer of history, as every modest buidling and ordinary street is.

Every life is interwoven with  others. Every single one of us is history!

I wrote the second poem on the way back from Cologne, where I had briefly rested on a little wall, which turned out to be in the area of the ancient forum and which in hindsight reminded me of excavated foundations.

For a poem on weaving words into a poem, see the previous post, Word Weaver.

Photograph: Silk cloth from Madagascar. – © The Trustees of the British Museum

Ich behaupte das Dach über Dächern

Ich behaupte das Dach über Dächern

I.

Ich behaupte das Dach über Dächern
und Wipfeln und Kuppeln der Stadt,
im sonnengeladenen Himmel
ein lebensgeladenes Blatt!

Eine Fahne in sattesten Farben,
ein Winken: „Ich bin! Ich bin hier!“
Mein Herz reißt sich los aus dem Leibe
und fliegt über Meere zu dir.

View from high up along building of concrete, steel and glass to the right, with lawn and trees to the left and clouds in blue sky above.

II.

Ich betrachte die Bäume von oben:
erst leuchtend, dann dürr und dann kahl.
Ich zeichne die Großstadt, gewoben
aus Backstein und Kalkstein und Stahl.

Mein Auge drängt aber hinüber
zum Rande der Stadt und des Lands,–
mein Herz glaubt noch immer, es fliege
zu dir mit dem Goldwolkenglanz!

Christina Egan © 2016

 

Photograph: Christina Egan © 2016


The person who ‘holds the position on the
roof above roofs’ gets the bigger picture:
observing the city, the sky, the seasons;  
aware of being a part of the fabric of life.

But really, she or he just wants to fly beyond
the horizon, to be united with a beloved one…
who might turn out to be an illusion of desire.
These lines evoke immanent transcendence.

These poems may work in a translation software.